Franz: Pelagia

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Rodlo – Janina Kłopocka, Union of Poles in Germany logotype // Rodło – Janina Kłopocka, logotyp Związku Polaków w Niemczech

Je mehr ich über Franz erfahre, desto mehr Fragezeichen erscheinen. Ich hatte immer den Eindruck, dass er Allenstein/Olsztyn absichtlich Richtung Berlin verlassen hat, freiwillig in die große Stadt und zu ihren Verlockungen aufgebrochen war. Aber vielleicht was das nicht der Fall: Franz war in seiner Heimatstadt sehr engagiert in den kulturellen Aktivitäten des Verbandes der Polen in Deutschland, besuchte Workshops und Gesangswettbewerbe und Exkursionen und Partys; Aktivitäten, die umso ausgeprägter wurden je mehr die Polen im Ermland in den 30er Jahren unterdrückt wurden. Und es gab Pelagia.

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Kaliningrad, mon amour (I): Duell wegen einer Dame

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Die Stadt Allenstein/Olsztyn meiner Großmutter war für mich niemals abstrakt, niemals ein Sehnsuchtsort. Es war ein Ort dieser Welt, eine Stadt mit Kirchen, einer Burg, einem hohen Rathausturm und Hausfrauen, bei denen die Mädchen aus Lengainen/Łęgajny Kochen lernten und Tischmanieren beigebracht bekamen.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn es um Königsberg/Królewiec geht. Königsberg/Królewiec ist für mich vollkommen abstrakt, ein Mythos, ein tatsächlicher Sehnsuchtsort. Aus irgendeinem Grund habe ich mich nie mit der Realität des Kaliningrad der Gegenwart beschäftigt, vermeide es Karten zu betrachten oder in Google Maps drauf zu zoomen. Aber meine Königsberger Mythen sind untergewichtig: Ich weiß, dass es die Stadt war, in der der 80-jährige Kant jeden Morgen schrieb, obwohl er fast blind war, die Stadt der weltberühmten Albertina-Universität, die Stadt, in der Käthe Kollwitz geboren wurde und Hanna Arendt zur Schule ging, ein Ort der Aufklärung und des Humanismus in der konservativen Welt Ostpreußens. Und es war eine Stadt, die durch britische Bomben, Granaten der Roten Armee und kommunistischen Beton unterging. Das ist alles, was ich habe.

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Kunst, Hunde und ein Magazin

Zu den zahlreichen kulturellen Aktivitäten der Woiwodschaftsbibliothek Ermland-Masuren gehört die Herausgabe eines vierteljährlich erscheinenden Magazins mit dem Titel VariArt. Dies ist ein sorgfältig gestaltetes, unabhängiges Magazin, das die Künste in der gesamten Woiwodschaft porträtiert: mit Gedichten, Bildstrecken, Kurzgeschichten, Interviews und Beiträgen zu kulturellen Aktivitäten. Jede Ausgabe ist thematisch ausgerichtet und ich freue mich, dass ich gebeten wurde, für die neueste Ausgabe mit dem Thema ‚Menschlichkeit und Freundlichkeit‘ etwas beizutragen. Das Magazin wurde gestern im Rahmen der Sommerbegegnung unter dem Motto „Lese, spiele, erinnere dich“ der Bibliothek gelauncht, an dem auch einige Hunde aus dem Tierheim eingeladen worden waren, um die ‚menschliche‘ Ausgabe in die Welt zu entlassen. VariArt ist in allen Bibliotheken in Ermland-Masuren und auch kostenlos online erhältlich:
www.wbp.olsztyn.pl/publikacje | VariArt 01/2019 als PDF

Dort gibt es ein Interview mit mir von Arkadiusz Łuba sowie meine Geschichte über melancholische Straßenbahnfahrten, die von Barbara Sapała übersetzt wurde. Die Veröffentlichung macht mich sehr stolz, da dies meine allererste gedruckte Arbeit in polnischer Sprache ist.

Art, Dogs and a Magazine

Part of the many cultural activities of the Provincial Library of Warmia-Mazury is the publication of a quarterly magazine titled VariArt. This is a finely designed independent journal that portrays the arts across the voivodeship: if features poetry, visual arts, short stories, interviews and features about cultural activities. Each issue is themed, and I’m delighted to have been asked to contribute something for the latest issue which is focused on humanity and kindness. It was launched yesterday as part of the summer day with the motto „Read, play, remember“ of the library, which had also invited some shelter dogs to launch the ‚kind‘ issue. It is available in all libraries across Warmia-Mazury, and also for free online:
www.wbp.olsztyn.pl/publikacje | VariArt 01/2019 as PDF

In there you can find an interview with me by Arkadiusz Łuba and my story about melancholic tram rides translated by Barbara Sapała, which makes me really proud as this is my first-ever print publication in Polish.

Wenn dann der Krieg, der alte Krieg

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Ungefähr 18 Kilometer südwestlich von Hohenstein/Olsztynek befindet sich ein weiteres Kriegsdenkmal, das neuer als das Tannenberg-Denkmal und doch einer viel älteren Schlacht gewidmet ist. Einer, die auf Deutsch den gleichen Namen trägt.

Die Schlacht bei Grunwald oder die (erste) Schlacht bei Tannenberg wurde am 15. Juli 1410 ausgetragen. Das Königreich Polen und das Großherzogtum Litauen unter der Führung von König Władysław II. Jagiełło und Großherzog Vytautas besiegten die Ritter des Deutschen Ordens unter der Führung von Großmeister Ulrich von Jungingen. Die meisten Anführer der deutschen Ritter, inklusive des Großmeisters, wurden getötet oder gefangen genommen. Die Schlacht war eine der größten im mittelalterlichen Europa: je nach Quelle hackten und stachen 27.000 bis 65.000 Männer aufeinander ein. Die Schlacht verschob das Kräfteverhältnis in mittelalterlichen Mitteleuropa, und dank der Mythologie, die sich daraus ergab, wirft sie seit Jahrhunderten ihren Schatten und wurde ebenso oft für Propagandazwecke verwendet. Die Schlacht von 1410 wurde zu einem Symbol des nationalen Triumphs oder der nationalen Schande, je nachdem, auf welcher Seite man sich befand. Hunderte von Jahren, nachdem alle Beteiligten längst zu Staub geworden waren.

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Wenn dann der Krieg

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Tannenberg-Denkmal, Ansicht 1934/35, Bundesarchiv

In ihren Träumen sind alle Männer Krieger. Und es ist kein Wunder, dass im Laufe der Jahrhunderte Kämpfe, Kriege und martialische Darstellungen Männer schon immer fasziniert haben (mich selbst eingeschlossen). Und viele davon folgten dieser Faszination zuerst in einer Uniform und dann in Schmerz, Verstümmelung, Tod. Die vielen Kriegsfriedhöfe im Ermland sind Zeugnis davon: Hier liegen russische Männer, die von Deutschen getötet wurden, polnische Männer, die von Deutschen getötet wurden, deutsche Männer, die von Russen getötet wurden.

Ein Ort, der für mich diese Lust am Ruhm symbolisiert und wie sie vom Nationalismus noch pervertiert werden kann, ist ein grasbewachsener Hügel westlich von Hohenstein/Olsztynek. Bis 1945 befand sich hier das Tannenberg-Denkmal.

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Kintopp

Letzte Woche waren Dr. Magdalena Gebala vom Deutschen Kulturforum östliches Europa und ein Kamerateam des Filmgymnasium Babelsberg um Filmemacher/Abiturient David Katz in Allenstein/Olsztyn zu Besuch, um einen Dokumentarfilm über mich und meine Arbeit als Stadtschreiber zu drehen. Das Filmgymnasium dreht seit mehreren Jahren solche Filme für das Kulturforum, und „mein“ fertiger Film feiert seine Premiere im November in Potsdam und wird dann Anfang nächsten Jahres mit polnischen Untertiteln in Allenstein/Olsztyn gezeigt werden.

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