Kunst, Hunde und ein Magazin

Zu den zahlreichen kulturellen Aktivitäten der Woiwodschaftsbibliothek Ermland-Masuren gehört die Herausgabe eines vierteljährlich erscheinenden Magazins mit dem Titel VariArt. Dies ist ein sorgfältig gestaltetes, unabhängiges Magazin das die Künste in der gesamten Woiwodschaft porträtiert: mit Gedichten, Bildstrecken, Kurzgeschichten, Interviews und Beiträgen zu kulturellen Aktivitäten. Jede Ausgabe ist thematisch ausgerichtet und ich freue mich, dass ich gebeten wurde, für die neueste Ausgabe mit dem Thema ‚Menschlichkeit und Freundlichkeit‘ etwas beizutragen. Das Magazin wurde gestern im Rahmen des Tages der offenen Tür der Bibliothek gelauncht, an dem auch einige Hunde aus dem Tierheim eingeladen worden waren, um die ‚menschliche‘ Ausgabe in die Welt zu entlassen. VariArt ist in allen Bibliotheken in Ermland-Masuren und auch kostenlos online erhältlich:
www.wbp.olsztyn.pl/publikacje | VariArt 01/2019 als PDF

Dort gibt es ein Interview mit mir von Arkadiusz Łuba sowie meine Geschichte über melancholische Straßenbahnfahrten, die von Barbara Sapała übersetzt wurde. Die Veröffentlichung macht mich sehr stolz, da dies meine allererste gedruckte Arbeit in polnischer Sprache ist.

Art, Dogs and a Magazine

Part of the many cultural activities of the Provincial Library of Warmia-Mazury is the publication of a quarterly magazine titled VariArt. This is a finely designed independent journal that portrays the arts across the voivodeship: if features poetry, visual arts, short stories, interviews and features about cultural activities. Each issue is themed, and I’m delighted to have been asked to contribute something for the latest issue which is focused on humanity and kindness. It was launched yesterday as part of the open house day of the library, which had also invited some shelter dogs to launch the ‚kind‘ issue. It is available in all libraries across Warmia-Mazury, and also for free online:
www.wbp.olsztyn.pl/publikacje | VariArt 01/2019 as PDF

In there you can find an interview with me by Arkadiusz Łuba and my story about melancholic tram rides translated by Barbara Sapała, which makes me really proud as this is my first-ever print publication in Polish.

Wenn dann der Krieg, der alte Krieg

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Ungefähr 18 Kilometer südwestlich von Hohenstein/Olsztynek befindet sich ein weiteres Kriegsdenkmal, das neuer als das Tannenberg-Denkmal und doch einer viel älteren Schlacht gewidmet ist. Einer, die auf Deutsch den gleichen Namen trägt.

Die Schlacht bei Grunwald oder die (erste) Schlacht bei Tannenberg wurde am 15. Juli 1410 ausgetragen. Das Königreich Polen und das Großherzogtum Litauen unter der Führung von König Władysław II. Jagiełło und Großherzog Vytautas besiegten die Ritter des Deutschen Ordens unter der Führung von Großmeister Ulrich von Jungingen. Die meisten Anführer der deutschen Ritter, inklusive des Großmeisters, wurden getötet oder gefangen genommen. Die Schlacht war eine der größten im mittelalterlichen Europa: je nach Quelle hackten und stachen 27.000 bis 65.000 Männer aufeinander ein. Die Schlacht verschob das Kräfteverhältnis in mittelalterlichen Mitteleuropa, und dank der Mythologie, die sich daraus ergab, wirft sie seit Jahrhunderten ihren Schatten und wurde ebenso oft für Propagandazwecke verwendet. Die Schlacht von 1410 wurde zu einem Symbol des nationalen Triumphs oder der nationalen Schande, je nachdem, auf welcher Seite man sich befand. Hunderte von Jahren, nachdem alle Beteiligten längst zu Staub geworden waren.

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Wenn dann der Krieg

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Tannenberg-Denkmal, Ansicht 1934/35, Bundesarchiv

In ihren Träumen sind alle Männer Krieger. Und es ist kein Wunder, dass im Laufe der Jahrhunderte Kämpfe, Kriege und martialische Darstellungen Männer schon immer fasziniert haben (mich selbst eingeschlossen). Und viele davon folgten dieser Faszination zuerst in einer Uniform und dann in Schmerz, Verstümmelung, Tod. Die vielen Kriegsfriedhöfe im Ermland sind Zeugnis davon: Hier liegen russische Männer, die von Deutschen getötet wurden, polnische Männer, die von Deutschen getötet wurden, deutsche Männer, die von Russen getötet wurden.

Ein Ort, der für mich diese Lust am Ruhm symbolisiert und wie sie vom Nationalismus noch pervertiert werden kann, ist ein grasbewachsener Hügel westlich von Hohenstein/Olsztynek. Bis 1945 befand sich hier das Tannenberg-Denkmal.

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Kintopp

Letzte Woche waren Dr. Magdalena Gebala vom Deutschen Kulturforum östliches Europa und ein Kamerateam des Filmgymnasium Babelsberg um Filmemacher/Abiturient David Katz in Allenstein/Olsztyn zu Besuch, um einen Dokumentarfilm über mich und meine Arbeit als Stadtschreiber zu drehen. Das Filmgymnasium dreht seit mehreren Jahren solche Filme für das Kulturforum, und „mein“ fertiger Film feiert seine Premiere im November in Potsdam und wird dann Anfang nächsten Jahres mit polnischen Untertiteln in Allenstein/Olsztyn gezeigt werden.

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Begegnungen (II): Allenstein/Olsztyn und Tirol

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Warmińsko-Mazurska Filharmonia im. Feliksa Nowowiejskiego

Unter dem Titel „Begegnungen“ veröffentliche ich kurze Interviews mit Menschen aus Allenstein/Olsztyn, die ich hier getroffen habe, um ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Sicht auf ihre Heimatstadt vorzustellen.

Eine der neuesten Kulturinstitutionen in Allenstein/Olsztyn ist die Warmińsko-Mazurska Filharmonia im. Feliksa Nowowiejskiego, die ermländisch-masurische Feliks Nowowiejski-Philharmonie, benannt nach dem bekanntesten Komponisten des Ermlands, der 1877 im nahe gelegenen Wartenburg/Barczewo geboren wurde. Bei meinem ersten Besuch dort traf ich Magdalena Tokajuk, Koloratursopranistin und eine der Pressesprecherinnen der Philharmonie, und wir hatten uns damals darauf geeinigt, noch einmal länger über ihre Arbeit und die Region zu sprechen.

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Sommermuffel (manchmal)

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Ich hasse den Sommer. Meistens. Sonne und Hitze erscheinen mir immer wie ein falsches Versprechen, als würde jemand deinen Kopf streicheln und sagen, dass alles gut wird und mit Zikaden und Sonnenuntergängen am Strand endet. Aber das stimmt nicht, Winter kommt für uns alle und jeder Mensch wird sterben. Und seit über drei Wochen schlägt uns der Sommer in der Stadt hart auf den Hinterkopf – morgens früh ist es schon über 20 Grad, und den Rest des Tages sitzt die Hitze wie ein fetter schwitzender Hooligan auf Allenstein/Olsztyn. Ich beneide diejenigen, die zu den Stränden von Okull/Ukiel und den anderen Seen fahren können. Meine düstere Stimmung könnte auch durch die Nachrichten kommen, die ich gestern Morgen beim Frühstückstee in meiner Küche gelesen habe. In Deutschland hat ein Neonazi einen CDU-Politiker erschossen, die britische Tory-Partei wird wahrscheinlich einen unfähigen Trottel zum Premierminister wählen und weiter kopflos auf den Brexit zutrudeln, und die EU konnte sich nicht auf Klimaziele bis 2050 einigen, da Polen, Ungarn, Estland und die Tschechische Republik sich weigern, diese zu unterstützen.

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Oma und Franz in der Bücherei

Ein Video meines Vortrags über meine Familienbeziehungen zu Allenstein/Olsztyn und kurzer Lesung aus Von Ostpreußen in den Gulag in der fantastischen Planeta 11-Filiale der Stadtbücherei Ende Mai. Vorgetragen zusammen mit meiner Dolmetscherin/Übersetzerin/polnischen Stimme Barbara Sapała.

Franz: Pfeifferstraße 10

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Ich komme Franz näher. Nicht nur, weil ich dank der Bibliotheken und Archive von Allenstein/Olsztyn und meinen Lesern mehr Details über ihn und seine Zeit in der Stadt herausgefunden habe, sondern auch weil ich jetzt mehr konkrete Orte in der Stadt habe, die mich mit ihm verbinden. Einer dieser Orte ist Haus Nummer 10 in der Królowej Jadwigi-Straße, der ehemaligen Pfeifferstraße.

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Olga Tokarczuks Stuhl

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Foto von Ugur Akdemir auf Unsplash

In einem Interview mit dem Calvert Journal im letzten Jahr hat Autorin Olga Tokarczuk ihr Erstaunen über das Alter der Möbel auf einem altem schottischen Anwesen ausgedrückt, auf dem sie sich für ein Schriftstellerstipendium aufhielt. Einige davon waren aus dem 16. Jahrhundert. „Wir haben keine so stabile Realität“, sagte sie. „Polen liegt im zentralen Korridor Europas.“

Dem stimme ich zu, auch weil ich auf einer Insel lebe. Während Irland über die Jahrhunderte seinen Anteil an Gewalt und Tragödien erlebt hat, fühlt es sich hier doch oft an, als ob Objekte und Orte, durch Zufall oder Schicksal, ein längeres Leben haben. In meiner Straße in Dundalk steht der um 1240 erbaute Glockenturm eines Franziskanerklosters, und das letzte Mal, das dieses Gebäude gezielt Gewalt erlebt hat, war um 1315, als einmarschierende Schotten unter Edward the Bruce es niederbrannten und 23 Mönche töteten. Verstreut in der Stadt sind viktorianische Briefkästen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, immer noch im Einsatz, die königlichen Insignien immer noch sichtbar unter der republikanischen grünen Farbe, die nach 1921 aufgetragen wurde. Und es gibt viele hundert Jahre alte Tische und Stühle in der ganzen Stadt, keiner davon in einem Museum.

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Begegnungen (I) – Allenstein/Olsztyn und Frankfurt

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Foto von Jan-Philipp Thiele via Unsplash

Unter dem Titel „Begegnungen“ veröffentliche ich kurze Interviews mit Menschen aus Allenstein/Olsztyn, die ich hier getroffen habe, um ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Sicht auf ihre Heimatstadt vorzustellen.

Aleksandra ist eine der 20.000 Studenten/innen der Universität Ermland-Masuren/Uniwersytet Warmińsko-Mazurski (UWM), die 1999 aus der Fusion der Technisch-Landwirtschaftlichen Akademie, der Pädagogischen Hochschule und dem Hohen Geistlichen Seminar gegründet und in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Aleksandra kommt aus der Nähe von Preußisch Holland/Pasłęk im Norden von Ermland-Masuren und lebt im Allensteiner/Olsztyner Vorort Jaroty in einer WG mit einer anderen Studentin. Seit zwei Jahren lebt sie in der Stadt und wir haben uns kennengelernt, da sie Germanistik studiert und an einem Workshop teilgenommen hat, den ich an der Universität gegeben habe.

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