Franz: Krieg

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Am Morgen des 1. September 1939 marschierte Franz zusammen mit 2 Millionen anderen deutschen Soldaten in Polen ein. Er war erst wenige Tage zuvor, am 26. August, im Rahmen der allgemeinen deutschen Mobilmachung eingezogen worden. Seine Einheit, das 196. Infanterieregiment, wurde als Teil der zweiten Welle deutscher Truppen, die in das Nachbarland einmarschieren sollten, aufgestellt. Das Regiment versammelte sich im brandenburgischen Wriezen und schloss sich dann der Heeresgruppe Nord der Wehrmacht an, die den sogenannten „polnischen Korridor“ angriff und in den 14 Tagen danach weiter über die Weichsel in Richtung Warschau marschierte.

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Die Knochen meiner Stadt

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November
Er glaubt nur
An einem Haufen toter Blätter
Und ein Mond in der Farbe von Knochen

Tom Waits, November

Für einen Moment dachte ich, der Sommer sei zu Ende. Und das Ende eines Sommers bedeutet immer, dass meine Lieblingsjahreszeit beginnt, der Herbst. Diese Woche regnete es einen ganzen Tag und mir fiel auf, dass die Mauersegler und Störche alle bereits gen Süden aufgebrochen waren. Aber jetzt, nur zwei Tage später, knallt die Sonne wie gewohnt auf mich und die Stadt, die Altstadt ist voller Menschen und die Drums und Gitarren von den Soundchecks im Amphitheater und dem Fischmarkt liegen wie immer über der Stadt, wie an jedem Wochenende des Sommers. Und es gibt immer noch viele Wespen, die mein Bier belästigen.

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O Warmio moja miła

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Von da an sagte der Ludwig kein Wort mehr und dachte ohne Erfolg darüber nach, wieso er in Polen ein Deutscher und in Deutschland ein Pole war, aber nicht in Polen ein Pole und in Deutschland ein Deutscher sein konnte.

Leonie Ossowski, Assoziationen zu der Fluchtszene aus „Hermann und Dorothea“

Dies ist ein seltsamer Ort. Manchmal Teil des Nordens, mit den Blaubeeren und Pfifferlingen und dampfenden Seen in der Morgensonne, manchmal Teil des Osten, mit rissigem Beton, Neonlichtern und kommunistischen Denkmälern. Das Wetter ist wie an der Küste, der Regen und die Wolken kommen direkt aus Berlin oder Moskau, durch keine Berge behindert. Hier beschützt der gefiederte Dämon Kłobuk die Häuser, und vielleicht fährt der Schwarze Wolga noch immer durch die Seitenstraßen und Alleen und sucht nach Seelen, die er entführen kann. Es ist ein Ort, den meine deutsche Großmutter und mein polnischer Großonkel Heimat genannt haben, Kinder derselben Mutter.

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Generation Europe

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Das Vaterland des echten Schriftstellers ist seine Sprache. Ihm allein ist die Gnade zuteil geworden, seine Heimat mit sich zu führen.

Joseph Roth, Niederlage der Gerechtigkeit

Je älter ich werde, desto pessimistischer werde ich. Ich schaue auf die Welt und sehe nur, wie wir Menschen immer und immer wieder dieselben Fehler machen; und besonders in Europa marschieren wir dick und zufrieden in Richtung Katastrophe, während wir konsumieren, als gäbe es kein Morgen, und wieder über das Errichten von Mauern diskutieren, 30 Jahre nachdem wir die letzten eingerisen haben. Aber manchmal schöpfe ich Hoffnung, meistens, wenn im Rahmen meiner Arbeit junge Menschen treffe. Dann habe ich oft das Gefühl, dass noch nicht alles ist verloren ist.

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Begegnungen (III): Olsztyn 2.0

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Unter dem Titel „Begegnungen“ veröffentliche ich kurze Interviews mit Menschen aus Allenstein/Olsztyn, die ich hier getroffen habe, um ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Sicht auf ihre Heimatstadt vorzustellen.

Langsamer und nachhaltiger Tourismus, sogenannter „Slow Tourism“, liegt mir sehr am Herzen. Nicht nur, weil ich seit über zehn Jahren für die beiden wundervollen Gründer Sanne und Bart der Spotted by Locals-App und Website schreibe, sondern auch weil ich denke, dass Reisen – frei nach Mark Twain – wirklich fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit ist, wenn man mit Respekt und einem Bewusstsein für andere Kulturen aufbricht. Eigentlich will ich damit sagen, dass jeder von uns so viel wie möglich mit dem Zug fahren sollte.

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STN:ORT

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Sztynort/Steinort, Sławomir Milejski

Ich weiß nicht viel über die großen Anwesen in Ostpreußen oder die Familien, die in ihnen lebten. Der Hof meiner Großmutter war ein bürgerlicher, und ich habe von ihr nie etwas über die Adelsfamilien in ihrer Nachbarschaft oder den umliegenden Ländereien gehört. Natürlich habe ich die Geschichten von Marion Gräfin Dönhoff gelesen, über die Dönhoffs und Dohnas und Lehndorffs und die vielen verschwundenen Gutshäuser im ehemaligen Ostpreußen wie Schlobitten und Friedrichstein – und über ihre historische, künstlerische und soziale Bedeutung. Ich freue mich sehr, dass ich Stadtschreiber nächste Woche die Eingeweide eines der verbleibenden Paläste erkunden kann.

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