Begegnungen (I) – Allenstein/Olsztyn und Frankfurt

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Foto von Jan-Philipp Thiele via Unsplash

Unter dem Titel „Begegnungen“ veröffentliche ich kurze Interviews mit Menschen aus Allenstein/Olsztyn, die ich hier getroffen habe, um ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Sicht auf ihre Heimatstadt vorzustellen.

Aleksandra ist eine der 20.000 Studenten/innen der Universität Ermland-Masuren/Uniwersytet Warmińsko-Mazurski (UWM), die 1999 aus der Fusion der Technisch-Landwirtschaftlichen Akademie, der Pädagogischen Hochschule und dem Hohen Geistlichen Seminar gegründet und in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Aleksandra kommt aus der Nähe von Preußisch Holland/Pasłęk im Norden von Ermland-Masuren und lebt im Allensteiner/Olsztyner Vorort Jaroty in einer WG mit einer anderen Studentin. Seit zwei Jahren lebt sie in der Stadt und wir haben uns kennengelernt, da sie Germanistik studiert und an einem Workshop teilgenommen hat, den ich an der Universität gegeben habe.

Warum hast du dich dafür entschieden, Germanistik zu studieren?

Mir gefällt die Sprache und die deutsche Kultur, ich wollte einfach mehr davon erfahren und ich verbinde damit auch meine Zukunft.

Hast du vorher schon Kontakt gehabt mit deutscher Sprache? Ab wann lernt man Deutsch in der Schule in Polen?

Ja, ich habe Deutsch in der Schule gelernt, mit 13, weil ich zuerst Englisch als Fremdsprache hatte; und ich habe auch an einem Schüleraustausch teilgenommen, in Itzehoe. Deutsche Literatur habe ich allerdings erst an der Uni kennengelernt.

Kannst du dir schon vorstellen, was du mit deinem Abschluss als Philologin machen willst?

Die Frage lasse ich unbeantwortet (lacht). Ich hatte mit dem Gedanken gespielt Übersetzer zu werden, aber ich bin mir da noch nicht sicher. Ich will aber auf jeden Fall den Master machen.

Du hast mir erzählt, dass du im Sommer schon in Deutschland arbeiten gehst. Erzähl doch mal davon.

Ich gehe drei Monate nach Frankfurt am Main putzen, das mache ich jetzt schon im 3. Jahr. Über einen Bekannten bin ich daran gekommen und arbeite als Sommervertretung für jemand, der das im Hauptberuf macht und ersetze diese Person, wenn sie im Sommer nach Polen kommt. Sie hat dieselben Kunden seit über 20 Jahren, und ich arbeite dann dort und übernachte in ihrer Wohnung in der Zeit. Bei manchen Kunden putze ich einmal die Woche, bei anderen alle 14 Tage. Am Anfang war ich sehr überrascht von der Ordentlichkeit der Deutschen. Bei manchen Kunden kam ich rein und dachte: „Warum soll ich hier putzen? Das sieht doch alles super aus!“ Es gibt aber auch andere (lacht). Das Alter meiner Kunden ist total gemischt, es gibt ältere Leute, aber auch junge, die einfach viel arbeiten und keine Zeit zum putzen haben.

Verdienst du damit genug Geld für den Rest des Jahres?

Ich muss Miete zahlen und auch mein Busticket nach Frankfurt und zurück, aber mit dem was übrig bleibt, komme ich in Polen für ein halbes Jahr aus. Ich will das auf jeden Fall während meiner Zeit an der Uni weiter machen.

Und wie findest du Frankfurt? Hast du zwischendurch Zeit, dir Sachen anzugucken?

Ich arbeite von Montag bis Samstag, aber wenn ich am Sonntag etwas Zeit habe, gehe ich etwas besichtigen oder ins Museum. Mir gefällt die Stadt sehr gut, vor allem die Wolkenkratzer, die Altstadt und das Museumsufer.

Wie denkst du über Deutschland, als jemand der in Polen studiert und in Deutschland arbeitet?

Ich denke, das deutsch-polnische Verhältnis könnte besser sein. Viele Polen sind davon überzeugt, dass die Deutschen sie hassen oder lachen über die Deutschen, und die Deutschen wissen vielleicht nicht genug über polnische Geschichte. Mit meinen Kommilitonen rede ich allerdings kaum über Geschichte, eher mit meinem Papa.

Als ich dich gefragt habe, ob du das Interview machen willst, hast du gesagt, dass du „gerne etwas für die Stadt machen willst“. Wie fühlst du dich denn in Allenstein/Olsztyn? Ist das jetzt deine Heimatstadt?

Am Anfang meiner Zeit hier hat mir die Stadt gar nicht gefallen. Aber das war vielleicht auch wegen meiner Einstellung: Allenstein/Olsztyn war halt die Uni, die am nächsten an meiner Heimatstadt dran ist und eigentlich wollte ich woanders studieren. Ich hielt die Stadt für zu klein und hässlich – aber jetzt gefällt es mir sehr gut. Ich gucke aus meinem Fenster direkt auf den Wald, und ich komme aber mit dem Bus oder der Strassenbahn schnell zur Uni oder ins Zentrum.

Und wie stellst du dir deine Zukunft vor? In Allenstein/Olsztyn, Polen oder anderswo?

Anderswo. Nach dem Master will ich auf jeden Fall weg. Ich spreche auch Englisch, also würde ich eine Arbeit irgendwo in Europa auf jeden Fall ausprobieren.

Photo by freestocks.org on Unsplash

Encounters (I) – Olsztyn and Frankfurt

Under the title ‚Encounters‘ I publish a series of interviews with people from Olsztyn I’ve met during my time here – about their lives, their work and how they see their hometown.

Aleksandra is one of the 20,000 students of the University of Warmia-Masury/Uniwersytet Warmińsko-Mazurski (UWM), a university that was created in 1999 by merging the the Academy of Agriculture and Technology, the Pedagogical Institute, and the Warmia Institute of Theology, and which celebrates its 20th anniversary this year. Aleksandra is from near Pasłęk in the north of Warmia-Masury and lives in the Jaroty suburb in a flat share with another student. She has lived in Olsztyn for two years now and we met during a workshop I gave for the students of German philology at the university.

Why have you decided to study German?

I like the language and German culture, and I simply wanted to know about the language and the culture. I also connect my future with it.

Have you had contact with German as a language before? When do German classes start at school in Poland?

Yes, I learned German at school, starting with 13 because I started with English as my first foreign language; and I have also taken part in a student’s exchange, in Itzehoe. I started being exposed to know German literature at the university however.

Do you already have an idea about what you will be doing with philology degree?

I prefer not to answer that one (laughs). I had played with the idea of becoming a translator, but I am not sure about that yet. However, I definitely want to do my masters.

You have told me that you are as a matter of fact already working in Germany during summer. Tell me a bit more about this.

I go to Frankfurt am Main for 3 months each year to work as a cleaner, and I am already doing this in the third year this year. I came to this work via an acquaintance and do it as the summer substitute for someone who does this as their main job, for when they come to Poland in summer. They have the same customers for over 20 years, and then I work there and live in my colleagues flat during the time. For some customers I clean once a week, for others every 14 days. At the beginning I was surprised very much of how orderly the Germans are. With some customers I walked in and thought: „Why should I clean here? This looks spotless already!“ However, there are also others (laughs). The age of my customers is totally mixed, there are older people and also younger customers who simply have no time to clean as they work a lot.

Do you earn with it enough money for the rest of the year?

I have to pay rent for the place I’m staying and also my coach ticket to Frankfurt and back, but with the remainder I get by in Poland for half a year. I want to continue doing this during my time at the university.

And how do you find Frankfurt? Do you have some spare time to look at things?

I work from Monday till Saturday, but if I’m free on Sunday I sometimes go and visit something or a museum. I like the city a lot, above all the skyscrapers, the old town and the museum embankment.

How do you think, as someone who studies in Poland and works in Germany, about the relationship of the two countries?

I think that German-Polish relations could be better. Many Poles are under the impressions that the Germans hate them or make fun of Germans, and the Germans on the other hand maybe do not know enough about Polish history. However, with my fellow students I hardly ever talk about history, rather with my dad.

When I asked you about the interview, you said that you would „like to do something for the city“. How do you feel about Olsztyn? Is this your hometown?

At the beginning of my time here I did not like the town at all. But this was maybe also because of my own mindset: Olsztyn has the university nearest to my hometown and, actually, I wanted to study somewhere else. I thought of the city as too small and ugly – but now I like it very much. From my window I look out over the woods, but still I reach the uni or the city centre quite easily by bus or tram.

And where do you see your future? In Olsztyn, Poland or somewhere else?

Somewhere else. After the masters I definitely want to leave. I also speak English, so I could try and find work somewhere in Europe if I want to.

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